26. Juni 2009
»Grafikdesign nachhaltig« Greenwashing dank unglaubwürdiger Umsetzung

Das Thema Nachhaltigkeit ist eines der Trendthemen in der gesamten Druckbranche und damit auch im Grafikdesign. Trotzdem wissen viele nicht so recht was sie darunter verstehen sollen bzw. auch was sie von der ganzen Diskussion halten sollen. Dieses fehlende Wissen zu vermitteln und ein weitergehendes Interesse für eine Auseinandersetzung damit zu schaffen ist Ziel des Buches »Grafikdesign nachhaltig« von Aaris Sherin, das in deutcher Übersetzung im Stiebner Verlag erschienen ist.
Die ersten beiden Kapitel des Buches zeigen zunächst auf, was die Autorin unter nachhaltigem Design versteht und warum es notwendig ist. Dabei geht es bei ihr um mehr als nur »grünes Produzieren«, auch soziale Aspekte (Arbeitsbedingungen, Entlohnung) spielen mit in das Konzept. Im dritten Kapitel »Theorie und Praxis des nachhaltigen Grafikdesigns« geht es dann um die Fragen der Papierherstellung und Papierrecyclings, ökologische Gütesiegel (jedoch hier nur die us-amerikanischen und einige international anerkannte wie FSC), Papiere aus anderen Grundstoffen wie Hanf etc. oder Nachhaltigkeit beim Verpackungsdesign. Das letzte Kapitel stellt Designer und Unternehmen vor denen eine umweltorientierte und soziale Ausrichtung wichtig ist.
Alles in allem interessante Informationen und Konzepte, schaut man jedoch etwas genauer hin, ist das Buchkonzept und der Verlag nicht glaubwürdig. Wieso?
Es ist ja nett Imagebroschüren für Nike mit umweltverträglichen Materialien zu entwickeln und zu produzieren, wenn aber gleichzeitig Nike in Asien über 200.000 Menschen für geringe Löhne und mit massiver Arbeitshetze für sich schuften lässt, ist das mit dem eigenen Anspruch des Buches nicht vereinbar. Wer die Latte so hoch legt, sollte selbst nicht darunter durchlaufen.
Das Buch selbst ist auf einem Recycling-Papier von Mohawk gedruckt, das aus einer ökologisch orientierten Papierfabrik stammt, dazu Druckfarben auf Pflanzenfarben und für die Einbandgestaltung wurden Makulaturbogen verwendet. So weit so gut.
Schaut man dann aber ins Impressum zeigt sich meiner Meinung nach die gesamten Absurdität: Printed in China Und man stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der lange Transport weg umweltschonend mit dem Paddelboot erfolgt? Und gleich gefolgt von der zweiten Frage: Wie sieht es aus mit den Arbeitsbedingungen, den Löhne etc. in China? Doch um dies noch zu steigern, gibt es dann ein zweiseitige Loblied auf chinesische Druckereien. Nachhaltige Druckproduktion auf den Schultern der Menschen in China?
Peter Reichard









