18. Mai 2009
Seitliche Blockheftung made in China

Beim mittlerweile dritten Besuch in der Ausstellung »Buch Gestalten. Made in China« in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt konnte ich in der letzten Woche meinen Studenten von der Acadamy of Visual Arts nicht nur chinesisches Buchdesign, sondern auch Veredelungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten näher bringen.
Die bei uns kaum übliche seitliche Blockheftung war bei den insgesamt 160 Büchern doch recht häufig anzutreffen. In dem Fachbuch »Industrielle Buchbinderei« heißt es zu diesem Bindeverfahren: »Aufgrund der schlechten Aufschlagbarkeit wird dieses Bindeverfahren nicht für hochwertige Produkte eingesetzt, so daß sich eine hohe Ausstattung erübrigt.« Dass dies nicht zwangsläufig sein muss zeigen die Bücher der Ausstellung. Das Aufschlagverhalten ist natürlich eingeschränkt, aber dieses Bindeverfahren ist traditionell in China weit verbreitet und wird gerade auch bei edel ausgestatteten Büchern eingesetzt. Und als großer Vorteil kommt hinzu, dass ein so gebundenes Buch eine enorme Festigkeit aufweist und durch den Gebrauch die Bindung kaum beeinträchtigt wird.
Beim unten abgebildeten Buch ist die Bindung nicht nur funktionell, sondern stellt auch noch einenen abstrahierten Bambustamm dar.

Auch werden nicht nur verschieden farboge Fäden, sondern auch andere Materialien eingesetzt. Das unten dargestellte Buch über traditionelle Bronze-Skulpturen verwendet thematisch passenden Metalldraht zur Bindung.

Peter Reichard



