Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung – EXTRA


extraDruckveredelung ist einerseits ein beliebtes Element in der Gestaltung, andererseits ist gerade bei Grafikern/Mediengestaltern meist nur ein rudimentäres Wissen vorhanden. Mann kennt zwar das ein oder andere Verfahren, aber offen bleibt, was möglich ist und vor allem, wie man sinnvoll die jeweiligen Veredelungen einsetzt. Für die beiden Autoren von »Extra« war der Anstoß dieses Buch zu schreiben, dass die auf dem Markt vorhandenen Informationsmöglichkeiten entweder zu technisch oder die Anwendungsbeispiele ästhetisch häufig nicht ansprechend sind.

»Extra« besteht dementsprechend aus zwei Teilen: einem fachlich-theoretischen Teil, der das entsprechende Wissen vermittelt, und einem Teil mit Anwendungsbeispielen. Die Autoren haben für den Informationspart des Buches mit Fachleuten der Branche zusammengearbeitet, so dass eine verständliche und fundierte Zusammenstellung entstanden ist.
 

Es werden Veredelungen in den fünf Kategorien Drucken & Lackieren, Kaschieren, Prägen, Stanzen und Schnittveredelungen vorgestellt. Diese werden durch Interviews und weiterführende Texte wie zum Beispiel »Wie man eine Veredelung plant«,»Die Geschichte der Veredelungstechniken« oder »Veredelung und Umwelt« sowie ein Glossar und ein Adressverzeichnis von Veredelungsspezialisten ergänzt.
 

Die Anwendungsbeispiele wurden von Gestaltern und Designbüros wie etwa Karlssonwilker Inc., Mario Lombardo, Annik Troxler, Pixelgarten, LUST, Fons Hickmann m23 oder Hort gestaltet. Hier jedoch fand ich nicht alle Beispiel wirklich überzeugend, einige machen den Eindruck von improvisierten Schnellschüssen, die nicht das gesamte Potenzial der Veredelung aufzeigen.
 

Das Entscheidend ist jedoch für mich der erste Teil des Buches, der sehr gut die Grundlagen vermittelt und somit dieses Buch zum Must-have für jede Agentur oder jeden Gestalter macht, der mit Druckveredelung zu tun hat oder dieses Themenfeld kennen lernen möchte. Unter dem Facebook-Account von Hort gibt es dazu noch dieses kleine Video.

 

Verlag Birkhäuser-Verlag AG
ISBN-13 978-3034600828
Preis 79,90 Euro

 

 

Peter Reichard

 



Visitenkarte made by Rastersysteme


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Druck- und typografieaffine Webdesigner? Ja es gibt sie und einer ist Stephan Zavodny aus Berlin. In seinem Blog schildert er sozusagen das Making-of seiner eigenen Visitenkarten. Hier beschreibt er seine Motivation sich bei dem Aushängeschild an einen Druckexperten wie Martin Z. Schröder von der Druckerey zu wenden.

 

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»Für meine neuen Visitenkarten wollte ich nicht nur eine außergewöhnliche Schrift, auch die Art des Drucks war mir enorm wichtig. Dabei kam eine Karte aus dem üblichen Offset-Druck oder noch schlimmer aus dem Digitaldruck, die man gefühlt in neun von zehn Fällen in der Hand hält, nicht in Frage. Nein, ich wollte etwas Besonderes. In meinen Bookmarks fand ich dann per Zufall einige Beispiele, die im amerikanischen Letterpress-Verfahren gedruckt worden sind. Ich war abermals sehr angetan davon, denn bei dieser Methode entsteht durch die Hochdruckform eine Prägung im Papier – die Schattierung –, die man auf der Rückseite ertasten kann.«

 

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Beim Besuch in der Druckerey erfuhr er, dass die Visitenkarten mittels Magnesium-Klischee, eine Art Stempel, gedruckt werden müssen. Damit man die Schattierung auf der Rückseite ertasten kann, ist man gezwungen sehr hohen Druck auf das Papier auszuüben. Bleilettern würden in dem Fall zerstört werden, weil sie zu weich sind. Das Magnesium-Klischee dagegen ist hart genug und hält ohne weiteres dem Druck der Boston-Klapptiegelpresse stand.

 

Abgerundet wurde das gesamterscheinungsbild mit einem seitlichen farbschnitt in leuchtendem Grün:
»Zu guter Letzt hatte ich noch einen speziellen Veredelungswunsch und hoffte, dass mir mein Drucker diesen ebenfalls erfüllen kann: Die Visitenkarten sollten an den Kanten mit einem Farbschnitt versehen werden. Was soll ich sagen, er war nicht nur sehr angetan von der Idee, er setzte meinen Wunsch auch bestens um. Sowohl beim Anfertigen des Farbschnitts als auch beim darauf folgenden Andruck der Karten konnte ich ihm über die Schulter gucken. Heutzutage ist man es ja gewohnt, dass alles automatisch und auf Knopfdruck von statten geht. Nicht so in der Offizin von Martin Z. Schröder, hier ist präzise Handarbeit an der Tagesordnung, was ich sehr zu schätzen weiß. Abschließend lässt sich sicher festhalten, dass ich mit dem Ergebnis äußerst zufrieden bin und die Druckerey auf diesem Wege gern weiterempfehle.«

 

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Design Stephan Zavodny

Druck Hochdruck, prägender Druck mit Schattierung auf der Rückseite Martin Z. Schröder

Veredelung vierseitiger Farbschnitt Martin Z. Schröder

Papier Römerturm Precioso weiß matt 300g/m²

Format 90 mm x 45 mm
Schrift Skolar von David Březina, Label Typetogether

 

(Bildquelle: Rastersysteme)

 



Visitenkarte mit Farbschnitt


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Hört man Farbschnitt, denkt man unweigerlich an Bücher, aber Martin Z. Schröder zeigt, dass dies auch einer Visitenkarte gut zu gesicht steht.

 

Er schreibt dazu in seinem empfehlenswerten Blog: »Visitenkarte vom Bleisatz mit Farbschnitt — ich bin recht froh um ein Produkt, das mit keiner neuen Technik herzustellen ist, sondern nur in Handarbeit. Und dann muß man auch noch rausbekommen, welche Farben einzusetzen sind, damit nichts verklebt. Die gefärbten Schnittkanten werden noch mit einer Politur behandelt, die Bienenwachs und Orangenöl enthält. (Die Karte behält aber keine Duftspuren, das verfliegt ganz rasch.)«

 

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(Bildquelle: Druckerey Blog)

 

Peter Reichard