»Grafikdesign nachhaltig« Greenwashing dank unglaubwürdiger Umsetzung


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Das Thema Nachhaltigkeit ist eines der Trendthemen in der gesamten Druckbranche und damit auch im Grafikdesign. Trotzdem wissen viele nicht so recht was sie darunter verstehen sollen bzw.  auch was sie von der ganzen Diskussion halten sollen. Dieses fehlende Wissen zu vermitteln und ein weitergehendes Interesse für eine Auseinandersetzung damit zu schaffen ist Ziel des Buches »Grafikdesign nachhaltig« von Aaris Sherin, das in deutcher Übersetzung im Stiebner Verlag erschienen ist.

  

Die ersten beiden Kapitel des Buches zeigen zunächst auf, was die Autorin unter nachhaltigem Design versteht und warum es notwendig ist. Dabei geht es bei ihr um mehr als nur »grünes Produzieren«, auch soziale Aspekte (Arbeitsbedingungen, Entlohnung) spielen mit in das Konzept. Im dritten Kapitel »Theorie und Praxis des nachhaltigen Grafikdesigns« geht es dann um die Fragen der Papierherstellung und Papierrecyclings, ökologische Gütesiegel (jedoch hier nur die us-amerikanischen und einige international anerkannte wie FSC), Papiere aus anderen Grundstoffen wie Hanf etc. oder Nachhaltigkeit beim Verpackungsdesign. Das letzte Kapitel stellt Designer und Unternehmen vor denen eine umweltorientierte und soziale Ausrichtung wichtig ist.
 

Alles in allem interessante Informationen und Konzepte, schaut man jedoch etwas genauer hin, ist das Buchkonzept und der Verlag nicht glaubwürdig. Wieso?
 

Es ist ja nett Imagebroschüren für Nike mit umweltverträglichen Materialien zu entwickeln und zu produzieren, wenn aber gleichzeitig Nike in Asien über 200.000 Menschen für geringe Löhne und mit massiver Arbeitshetze für sich schuften lässt, ist das mit dem eigenen Anspruch des Buches nicht vereinbar. Wer die Latte so hoch legt, sollte selbst nicht darunter durchlaufen.
 

Das Buch selbst ist auf einem Recycling-Papier von Mohawk gedruckt, das aus einer ökologisch orientierten Papierfabrik stammt, dazu Druckfarben auf Pflanzenfarben und für die Einbandgestaltung wurden Makulaturbogen verwendet. So weit so gut.

Schaut man dann aber ins Impressum zeigt sich meiner Meinung nach die gesamten Absurdität: Printed in China Und man stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der lange Transport weg umweltschonend mit dem Paddelboot erfolgt? Und gleich gefolgt von der zweiten Frage: Wie sieht es aus mit den Arbeitsbedingungen, den Löhne etc. in China? Doch um dies noch zu steigern, gibt es dann ein zweiseitige Loblied auf chinesische Druckereien. Nachhaltige Druckproduktion auf den Schultern der Menschen in China?
 

Peter Reichard

 


5 Kommentare, Kommentar or Ping

  1. Gangarth

    Gut gemeint und schlecht umgesetzt. Hier trifft dann also die Idee über nachhaltiges Design zu informieren auf die harte Realität des Kapitalismus. Für den deutschen Verlag finde ich das noch am traurigsten, da dieser uns ein Buch über Nachhaltigkeit verkaufen will, selber allerdings anscheinend keine Ahnung darüber besitzt was dieses Wort denn bedeutet. Hier zählten nur die ökonomischen Aspekte eine Rolle und die sozialen und ökologischen wurden leider außen vor gelassen.
    Die Erwähnung der Firma Nike im Buch sehe ich auf zwei verschiedene Weisen. Zum einen ist es gut, dass diese Firma als weltweite Marke umweltverträglich ihre Imagebroschüren herstellt, allerdings sollte dann der Autor aber auch, wie von ihnen Herr Reichard angesprochen, auf die Problematiken hinweisen. Das wäre nur konsequent gewesen.

    Vielleicht bekommen sie ja nach diesem Beitrag noch ein Feedback des Verlages. Wäre interessant deren Rechtfertigung zu hören.

    Juni 27th, 2009

  2. Ursprünglich ist das Buch bei Rockport in denUSA erschienen, Stiebner hat nur die Lizenzübersetzung veröffentlicht. Was an dem Mißverhältnis von Anspruch und Glaubwürdigkeit nichts ändert.

    Ich will mich hier auch gar nicht als Ritter der nachhaltigkeit aufspielen, aber wenn schon ein buch dieses Thema behandelt und darin hohe Anforderungen an Designer und Produzenten stellt, dann sollte auch bei der Buchproduktion dies berücksichtigt werden.

    Auch das beste umweltschonend hergestellte Papier verliert seine »Wirkung« wenn es erst nach China transportiert wird, dort produzier wird udn dann wieder zurücktransportiert wird. Das ist einfach nur unsinnig.

    Juni 28th, 2009

  3. Ich muss meinen Vorrednern recht geben.
    Das buch habe ich bislang nicht in die Finger gekriegt, was aber auch daran liegt, dass sich die halb angelesenen Bücher derzeit bei mir stapeln.

    Definitiv ist ein Druck in China abzulehnen, wenngleich wenigstens auf den Einsatz von Frischfaserpapier verzichtet wurde. Im Sinne CO2-Emissions Vermeidung ist -positiv formuliert- sicherlich nicht das Maximum herausgeholt worden! Aber man sollte einfach mal mit denen vom Verlag reden, vielleicht lernen die ja was fürs nächste Mal.

    November 3rd, 2009

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