Papierbotschaft wird auf Eis gelegt!


Lieber Leser/innen der Papierbotschaft,

 

leider müssen wir das Projekt nach 5 Jahren auf Eis legen. Zu viele verschiedene Projekte, erfordern eine Konzentration auf einige wenige.

Zudem konnten ich am Ende die vielen Anfragen um kostenlose Muster, kostenlose Papierberatung und Kostenvoranschläge für Druck- und Veredelungen gar nicht mehr überschauen.

Papierbotschaft sollte immer nur eine Informationsplatform sein, wurde aber immer mehr entweder als kostenfreier Service aufgefasst oder als Druckerei wahrgenommen.

Da mein Herz aber weiterhin für hochwertige Papiere und Design schlägt, werd ich die Thematik im Blog meines Designbüros – Designmacherei – aufnehmen.

 

Dort wird Sie/euch eine Mischung von Beiträge zu eigenen Projekten, zu Typografie, Papier, Verpackungsdesign und die Welt voN Wein und Whisky erwarten. Sozusagen eine Mischung aus den Themen der Papierbotschaft, meines alten typo-Magazins spatium, meiner Tätigkeit als Designer und Autor sowie mein Genussprojekt »Die Genussverstärker«.

 

Schaut auch gerne auf der der Facebook-Seite der Designmacherei vorbei.

 

Vielen Dank für die Begleitung des Projektes in den letzten Jahren.

Peter Reichard



Interview:Der MfG-Award betont die Stärken von Print


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Es geht um das Zusammenspiel von Idee, Design, Produktion und Nutzen – auch in der neuen Kategorie „Individualität“. Noch bis zum 16. August 2013 können Designer, Druckspezialisten und ihre Auftraggeber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Nachwuchsdesigner und Aus-zubildende ihre besten Druckerzeugnisse zum MfG-Award des Bundesverbandes Druck und Medien einreichen. Die 2012 durch Thilo von Debschitz initiierte Neuausrichtung des Wettbewerbs mit ihren neuartigen Kategorien „Emotion“, „Raffinesse“, Vereinfachung“, „Umweltbewusstsein“ und „Debüt“ war ein voller Erfolg. Vor allem die Arbeiten der „Debütanten“ haben die Jury begeistert. Dieses Jahr ist eine weitere Sachgruppe hinzugekommen: „Individualität“. Auch die Jury ist teilweise neu besetzt.

Über den aktuellen Stand sprach Silvia Werfel mit der amtierenden Juryvorsitzenden Stephanie Podobinski.

 

Frau Podobinski, die Kategorien „Raffinesse“ und „Emotion“ kamen vergangenes Jahr besonders gut an. Hier gab es besonders viele Einreichungen und eine durchweg hohe Qualität zu verzeichnen. Kann man hier kreativer sein als in den anderen Sparten?

Bei „Raffinesse“ geht es naturgemäß um Außergewöhnliches – um ungewohnte Forma-te, Materialien, um ausgetüftelte Falztechnik oder innovative Veredelung. Das ist ein ideales Spielfeld für Kreative. Ob Briefbogen mit Origamikunst, opulente Einladungskar-ten oder effektvolles Pop-up-Buch – die unterschiedlichsten Drucksachen kann man raffiniert aufwerten – und das nicht nur physisch, sondern auch durch eigenartige, un-gewöhnliche Gestaltungsideen. Für die Kategorie „Emotion“ gibt es eine ähnliche Band-breite. Ob Werbung, Plakat oder Geschäftsbericht – man erreicht die Menschen am besten, wenn man ihr Herz berührt, mit guten Geschichten und überraschenden Insze-nierungen.

 

In den Sparten „Umweltbewusstsein“ und „Vereinfachung“ war die Beteiligung ein wenig mau. Worum geht es genau bei diesen Kategorien?

Nachhaltig zu produzieren, ist das Gebot der Stunde. Hier geht es also um Ideen für den umweltbewussten Umgang mit Ressourcen. Ausgezeichnet werden Drucksachen, die Recycling- oder wenigstens zertifizierte Papiere verwenden, die möglichst wenig Che-mie einsetzen und Energie und Material sparen – wie zum Beispiel der Produktkatalog, der auf gestrichenes Papier verzichtet; das Mailing, das mit einer Seite auskommt und trotzdem überzeugt; die Verpackung, die gleichzeitig das Produkt ist, etc. Das wäre beim MfG-Award unter dem Stichwort „Umweltbewusstsein“ einzureichen. Aber auch in dieser Kategorie erwarten wir Arbeiten, die erst durch das perfekte Zusammenspiel von Idee, Gestaltung und Umsetzung, Auszeichnungswürdigkeit erlangen. Alleine die Entscheidung für Recyclingmaterialien macht eine Arbeit noch nicht besonders. Für die Kategorie „Vereinfachung“ gilt: Wenn mich ein kluger Faltplan, ein klar strukturiertes Formular oder eine gelungene Gebrauchsanweisung zielsicher durch komplizierte Sachverhalte führt, dann ist das womöglich preiswürdig.

 

Was hat es mit der neuen Kategorie „Individualität“ auf sich?

Ausgezeichnet werden hier Drucksachen, die in hohem Maße Nutzer-orientiert konzi-piert sind – zum Beispiel Directmails mit individueller Ansprache, handschriftlich personalisierte Einladungen oder Kleinstauflagen. Print kann ein sehr persönliches Medium sein. Gerade der Digitaldruck bringt in Kombination mit anderen Druckverfahren überzeugende, werbewirkungsstarke Druckprodukte zu Stande.

 

Zur Jury: Sie haben einige neue Juroren mit an Bord …

Ja, neu sind die Gestalter Andreas Karl aus Wien, Andreas Koop aus dem Allgäu und Hendrik Heidenreich aus Bünde – alle herausragende Experten ihres Faches. Andreas Karl ist mit über fünfzig Arbeiten im amerikanischen Jahrbuch der besten Markenzeichen »LogoLounge 4« vertreten und bringt Erfahrung aus mehreren internationalen Designjurys mit. Die stets nach ökologischen Gesichtspunkten gestalteten Arbeiten von Andreas Koop, der übrigens auch sehr amüsante, fachkundige Vorträge hält, wurden vielfach national und international ausgezeichnet. Gleiches gilt für Hendrik Heidenreich und sein Unternehmen Heidenreich Print, das auf Premium-Druckprodukte und den kreativen Einsatz von Veredelungstechniken spezialisiert ist. Domic Brighton kommt für Bettina Schulz von der Zeitschrift novum. Das sind die neuen Gesichter in der Jury, zu der ansonsten Thilo von Debschitz und Jörg Waldschütz aus Wiesbaden, Detlef Westenberger aus Kriftel, Ivica Maksimovic aus Saarbrücken, Jean Jacques Schaffner aus Basel und Armin Lindauer aus Mannheim zählen. Alles ganz fabelhafte, integre Persönlichkeiten, die die Qualität des MfG-Award sicherstellen. Wessen Arbeit von dieser Jury ins Finale gehoben wird, der darf sich wirklich auf die Schulter klopfen!

 

Steht der Termin für die Preisverleihung schon fest?

Ja, die Preise werden diesmal am Donnerstag, dem 10. Oktober, während der Frankfurter Buchmesse verliehen. Wie immer gibt es auch ein Rahmenprogramm. Ort der Preis-verleihung ist die Bühne des Forum Verlagsherstellung in Halle 4.0 auf dem Messegelände.

 

Stichwort Teilnahmegebühren: Im Reigen der Designwettbewerbe hebt sich der MfG-Award bewusst ab.

Ja, im positiven Sinne. Wir wollen besonders auch kleineren Agenturen, Freelancern, Gründern und insbesondere dem Nachwuchs die Möglichkeit zur Teilnahme ermöglichen. Deswegen ist mir der MfG-Award so sympathisch, aus diesem Grund engagiere ich mich dort auch. Mit 125 Euro für eine Einzelarbeit ist man dabei oder mit einmalig 175 Euro für eine mehrteilige Serie. Studierende bezahlen 25 Euro. Weitere Kosten fallen nicht an, ganz egal, ob jemand gewinnt oder nicht, auch nicht für die Broschüre mit den Preisträgerarbeiten. Deshalb findet man auf den Teilnehmerlisten der zurück-liegenden MfG-Awards nicht nur die Namen bekannter großer Designbüros, sondern auch Einzelpersonen und kleine Agenturen. Also mitmachen!

 

Frau Podobinski, vielen Dank für das Gespräch!
Informationen und Anmeldung unter www.mfg-award.de

 

 



»Der Welt fehlen kreisrunde Hüllen« – 10 Jahre rugi Briefhüllen-Manufaktur


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Anläßlich des 10-jährigen Firmenjubiläums der rugi Briefhüllen-Manufaktur führt die aktuelle Ausagbe des »manufakturbrief« die Leser in Form eines umfangreichen Interviews mit den beiden Firmengründern, Andrea Rupp und Michael Gißel, hinter die Kulissen und lässt die Zeit Revue passieren. (PDF 1,3 MB)

 

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das Interview:

 

An welche Projekte erinnern Sie sich besonders gerne?
Michael Gißel:
Da gibt es viele. Einmal haben wir eine große Versandtasche aus 700 g/m² schwerer Graupappe hergestellt. Trotz Nutung war auf dem Material viel Zug, und wir mussten die Hüllen mit Getränkekästen beschweren, damit sie nicht wieder aufsprangen.
Andrea Rupp: So haben wir 700 Exemplare produziert. Die Hülle kam sehr gut an, und der Kunde war so begeistert, dass er gleich eine weitere Auflage bestellt hat!
MG: Sehr spannend war auch ein Auftrag, eine spezielle Archivtasche mit einer 80 mm breiten Falte herzustellen. Wir haben uns auf die Ausschreibung eines Konzerns hin gemeldet und ein halbes Jahr nichts gehört. Dann wurden wir beauftragt, ein Muster zu produzieren. Es hat aber noch eine Weile gedauert, bis wir tatsächlich den Auftrag hatten. Der Konzern konnte einfach nicht glauben, dass wir europaweit die einzige Firma waren, die die Anforderungen erfüllen konnte.
AR: Die Erklärung ist recht einfach: Wir sind ein kleines Unternehmen und vielleicht nicht genau das, was dieser Konzern zunächst erwartet hatte, aber wir könnenflexibel reagieren. Ein Kooperationspartner hat extra seine Maschine umgebaut, um diesen Auftrag produzieren zu können.
MG: Die Einkäuferin des Konzerns wollte vor endgültiger Auftragserteilung erst noch unseren Firmensitz kennenlernen – der damals noch in einem Reihenhaus war. Produziert haben wir ja woanders. Und nach termingerechter und einwandfreier Lieferung war sie von der Qualität unserer Arbeit überzeugt.

Sie bieten durch Ihre Manufaktur eine Vielfalt an Möglichkeiten im Hinblick auf Material, Veredelung und Format der Kuverts, wo stoßen Sie an Grenzen?
AR: Durch die Manufakturarbeit erreichen wir selbstverständlich nicht die gleiche Geschwindigkeit wie Maschinen. Die höchste Auflage, die wir bisher in Manufaktur verarbeitet haben, waren 50.000 Exemplare.
MG: Dafür haben wir andere Vorteile: Wir können exakter und flexibler arbeiten als so manche Maschine. Bei dem erwähnten Auftrag sollten Vorder- und Rückseite absolut deckungsgleich, also ohne Überstände verklebt werden. Das geht nur manuell. Sogar der Verband der Briefumschlaghersteller gibt eine normale Falzdifferenz von +/– 2 mm an.

 

Das ausführliche Interview findet man im PDF.



Nachhaltige Printproduktion – Interview mit Rüdiger Maaß, Geschäftsführer des Fachverband Medienproduktioner e.V.


Ich hatte jetzt die Möglichkeit mit Rüdiger Maaß ein kurzes Interview über Fragen der Nachhaltigkeit in der Printproduktion und die maassAzeptanz bzw. Nichtakzeptanz in der Branche zu führen.

Rüdiger Maaß ist seit 1998 als Geschäftsführer des Fachverband Medienproduktioner e.V. tätig. Neben dieser Tätigkeit arbeitet er erfolgreich als Networker, Fachreferent und Moderator für die Kommunikations-industrie. Er arbeitet seit vielen Jahren als Fachjournalist in der grafischen Industrie. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Chefredakteur der Druckfachzeitschrift Print&Produktion startete er im April 2004 als Herausgeber und Chefredakteur die Kommunikationsplattform »VALUE – Das Magazin für Medienproduktion und Unternehmens-kommunikation«. In dieser Funktion war er bis Anfang 2007 tätig. Seit Februar 2007 ist er neben seiner Geschäftsführertätigkeit beim f:mp. als Unternehmens-, Marketing- und PR-Berater tätig.

 

Warum sollten Medienproduktioner oder auch Designer sich dieser Frage beschäftigen?
Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind keine Trend- oder Hyper-Themen – es sind Themen, die uns nie wieder loslassen und die neue gesellschaftliche Ausprägung in Richtung immaterieller Individualnutzen maßgeblich prägen. Die Zeit des unbewussten Massenkonsums ist vorbei – wir werden in Zukunft sicher bewusster leben, bewusster handeln und bewusster einkaufen. Diese Ausrichtung zeichnet sich schon heute ab – deutlich wird das bei der LOHAS-Zielgruppe, die schnell wächst.
Natürlich haben wir im Umfeld der Medienproduktion – also im gesamten Prozess der Mediengestehung eine maßgebliche Verantwortung für den Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Wir haben jetzt dich Chance das Thema freiwillig zu besetzen und proaktiv in unsere Geschäftsmodelle aufzunehmen. Natürlich haben wir auch jetzt noch die Möglichkeit das Thema mit zu definieren und zu entwickeln. Das finde ich eine tolle Chance. Das betrifft nicht nur die CO2-Vermeidungs- und Reduzierungsberatung, sondern auch die Definition eines neuen Umgangs miteinander. So z.B. den vertrauensvollen Umgang mit Leistungspartnern und deren Wertschätzung. Das schafft Arbeitsplätze, sichert erfolgreiche Geschäftsmodelle und und ist definitiv nicht nur auf den Preiseinkauf ausgerichtet. Nebenbei bemerkt schafft das auch mehr Qualität in der Printkommunikation, denn dadurch wird das Dienstleister-Hopping eingedämmt und wir sprechend wieder über andere Werte und Wertschöpfung in der Medienproduktion.

 

Wie kann man sich am besten selbst einen Überblick verschaffen? Denn allein die unterschiedlichen Zertifizierungen bei Papieren schaffen meist neue Fragen.
Das kann ich gut nachvollziehen. Ehrlich gesagt, ist das Thema noch ganz am Anfang. Wir sind gerade dabei einige Definitionen aufzustellen und wollen damit einen Weg aufzeigen. Hier schätzen wir uns glücklich, dass wir starke Netzwerkpartner wie den WWF, FSC, ClimatePartner, die IPR, VDMA und andere wichtige Institutionen zur Seite haben. Das Thema können wir nur erfolgreich umsetzen, wenn wir Perspektiven und Ziele definieren, das machen wir gerade. Für einen Interessenten zum Thema ist eine Google-Recherche z.B. mehr als überflüssig, denn der Informations-Overflow ist gigantisch – es fehlt die Bewertung der Information. Mit der neuen Branchenplattform Media Mundo haben wir begonnen eine zentrale Informationsplattform zu schaffen – die wird weiter ausgebaut. Jeder der sich einbringen will, kann z.B. unseren neuen Media Mundo-Blog besuchen und bekommt sicher Hilfe und Antworten.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass man im Umfeld der Nachhaltigen Medienproduktion Entscheidungen trifft. Man braucht eine Strategie und diese verlangt Entscheidungen. So ist z.B. unsere Papierempfehlung eine klare Entscheidung für die besten Labels in diesem Umfeld. Recyclingpapier Blauer Engel und danach FSC. Wer anfängt zu »mischen« und eine scheinbare Gleichgültigkeit an den Tag legt, wird von der Zielgruppe schnell abgestraft. Allerdings steht eines fest. Die Entscheidungen bedingen immer Veränderungen!

 

Scheinen nicht auf den ersten Blick nachhaltige Druckproduktion und Druckveredelung ein Widerspruch zu sein?
Auf den ersten Blick vielleicht – aber generell überhaupt nicht. Auch hier sind wir gerade dabei Grundlagen zu schaffen. Betrachten wir das Thema von 2 Seiten: Aus Sicht der reinen Veredelungen können heute Veredelungstechniken und Materialien eingesetzt werden, die nicht immer hoch energetische Prozesse bedingen. Weiterhin müssen wir lernen, eine neue Form der Veredelungsberatung zu etablieren. Ich meine damit nicht auf Teufel komm raus zu veredeln, sondern eine »angemessene Veredelung« einzusetzen. Das bedeutet dann ggf. nur eine Spot-Lackierung auf der Titelseite usw. Weiterhin können Veredelungen eingesetzt werden, die teilweise vernachlässigt werden, denken Sie nur mal an das Thema Formen, Optik und Haptik durch kreative Falzungen, Stanzungen und Prägungen.
Der 2. Ansatz ist sicher ebenso einleuchtend. Wenn man eine normal gedruckte Broschüre mit einem »Kommunikationswert« 1 belegt, wird deutlich, dass eine veredelte Broschüre mit dem gleichen Inhalt einen Mehrwert bietet, interessanter ist und für die Besitzer eine höhere Begehrlichkeit weckt. Somit bekommt das veredelte Druckprodukt einen höheren Kommunikationswert und ist somit nachhaltiger, weil es öfter benutzt wird. Aber auch hier fehlen noch empirische Zahlen, hier sind Forschungsergebnisse für die Zukunft gefragt.

 

Wie schätzen Sie die Akzeptanz der Branche für nachhaltig produzierte Printmedien ein?
Die einen sagen so, die anderen so… Im Ernst: Es gibt Druckereien, die »Klimaneutrale Druckprodukte« anbieten, nur weil die Kunden es verlangen, das ist für mich reines Green-Washing – was aber letztendlich nur bedingt verwerflich ist, denn letztlich ist das laut Kyoto-Protokoll auch Klimaschutz. Aber das ist sicher nicht unser Ansatz. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge Druckereien, die das Thema leben und quasi damit geimpft sind. Das macht Spaß, denn hier sieht man auch, dass diese Leistungspartner auf einer neuen Kommunikationsebene mit dem Kunden stehen. Denn dadurch wird auch die Preissensibilität der Kunden in den Hintergrund gerückt. Das ist keine Theorie, sondern gelebte Praxis.
Über die Branche gesehen sieht das ungefähr so aus: die Meisten sind Verweigerer, weil sie kein Interesse haben, das Thema mit zu gestalten, dann gibt es Interessenten, die aufgeschlossen sind, aber mit der Verfügbarkeit der Lösungen noch hadern, dann gibt es Green-Washer, die ihren Kunden gerecht werden wollen und natürlich die Überzeugungstäter.
Ich wünsche allen Überzeugungstätern, dass sie mit Ihrer Entscheidung ein deutliches Differenzierungskriterium schaffen und damit sehr erfolgreich sind. Wenn das Schule macht, können wir als Branche mit gutem Beispiel voran gehen.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Peter Reichard
 



Interview: »Kommunikation kann Fehler verhindern«


kirmeier

 

Letzte Woche bin ich auf die Website von Michael Kirmeier, einem Sachverständigen für Druck und Papier, gestoßen und habe gleich angefragt, ob er er bereit wäre mir einige Fragen zum Thema Papierqualität und zu seinem Arbeitsfeld zu beantworten. Er hat sich spontan bereits erklärt und heute morgen bekam ich die Antworten auf mein E-Mail-Interview.

 

Herr Kirmeier, sie sind bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Druck- und Papierindustrie. Dabei untersuchen Sie auch Papiere und ihr Verhalten im Druckprozess.  Bei welchen Fragen rund ums Papier werden Sie als Sachverständiger hinzugezogen?

Bei den Fragestellungen wird grundsätzlich zwischen zwei Kategorien unterschieden:
1. Fragen im Reklamationsfall: Hier geht es überwiegend um die im Offsetdruck häufigsten Fehlererscheinungen wie z. B. Abrieb der Druckfarbe in Abhängigkeit der Papieroberfläche, Ungleichmäßiger Ausdruck (Stichwort Mottling, Formation), Oberflächenfestigkeit des Papiers (Ablagerungen auf den Drucktüchern bei Verdrucken von ungestrichenen sowie von gestrichenen Papieren), Falzverhalten von Papieren (Strichbrechen oder Falzbrechen im HS-Rollenoffsetdruck). Weitere Fragestellungen betreffen das Trocknungsverhalten von Druckfarbe auf Bedruckstoffen sowie Ergiebigkeitsuntersuchungen (wie viel Druckfarbe benötigt ein Papier, um eine bestimmte Farbschichtdicke zu erzielen?)

2. Fragen zur Entwicklung von Papieren: Bei diesem Fragenkomplex geht es um die Beurteilung der Bedruckbarkeit von Papieren, welche sich in der Entwicklungsphase befinden. Dabei wird meist versucht, Rohstoffe in Art und Konzentration und im Hinblick auf Kosten zu optimieren, ohne dabei Einbußen auf Bedruckbarkeitseigenschaften befürchten zu müssen.


Die unterschiedlichen Papiere werden von den Herstellern und Vertrieben logischerweise immer von ihrer Schokoladenseite dargestellt. Was macht für Sie ein qualitativ hochwertiges Papier aus?

Ein hochwertiges Papier wird in erster Linie seinem Einsatzzweck zu 100 % gerecht, zeigt hinsichtlich Be- und Verdruckbarkeit beste Eigenschaften und verbindet dabei noch sehr gute Eigenschaften im Hinblick auf Optik und Haptik. Papiere müssen meiner Meinung nach nicht immer hochglänzend und blütenweiß sein. Wenn Papiere nicht zu 100 % ihrem Einsatzzweck gerecht werden, liegt das meiner Ansicht nach meistens an fehlender Kommunikation innerhalb des Kommunikationsfeldes: Grafiker – Kunde – Papierhandel – Produktion.

 

Kann man sich – aus Ihrer Erfahrung – weitgehend darauf verlassen, was dort in den Papiermusterbüchern angegeben wird?
Wie ja das Wort Papiermusterbuch schon beinhaltet, handelt es sich um ausgewählte Muster. Die Papiermuster werden fein selektiert und die Druckmuster werden meist unter Bedingungen erstellt, welche im normalen Produktionsbetrieb nur wenig rentabel sind. Dennoch spiegeln Musterbücher im Großen und Ganzen die Qualität des gesuchten Papiers gut wider und bieten eine große Hilfestellung für Kaufentscheidungen. Da es sich bei der Papierherstellung um äußerst komplexe Produktionsprozesse handelt, welche ihrerseits ebenfalls Rohstoffschwankungen unterworfen ist, muss man immer mit einer gewissen Schwankungsbreite im Hinblick auf die Qualität rechnen.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Peter Reichard

 



Material und Design im Studium – Interview mit Oliver Wehn


Hallo Oliver, du studierst an der HGK Basel, Visuelle Kommunikation, und hast als einer der ersten einen Kommentar auf der Papierbotschaft veröffentlicht. Darin sprichst du an, dass an der HGK schon früh der Aspekt des Materials als Teil des Design thematisiert wird. Kannst du kurz beschrieben wie diese Inhalte vermittelt werden.

 

Gibt es so etwas wie eine »Materialkunde« oder fließt es in die Projekte durch die Betreuung der Professoren und Dozenten ein?
Es gibt bei uns im Rahmen des Studiums der Visuellen Kommunikation nicht direkt ein Fach »Materialkunde«. Zwar werden im Rahmen des Gefäßes »Prepress» in den ersten beiden Semestern neben der Druckvorstufe selbst auch Druck- und Veredelungstechniken und die Rolle des Materials im Produktionsprozess thematisiert, aber das Gewicht liegt hier klar auf den technischen Aspekten.

Material aber eben nicht als Selbstzweck sondern als Teil des Designs zu betrachten, ist an sich jedoch nicht konkreter Gegenstand eines eigenen Unterrichtsgefäßes. Das findet sich eher in Form einer spürbaren Haltung, die durch die Dozenten direkt im Rahmen der Unterrichtsprojekte vermittelt wird. Es beginnt schon damit, dass Arbeiten, die für den Druck bestimmt sind, niemals am Monitor besprochen werden. Je weiter das Projekt fortschreitet, desto mehr wird darauf geachtet, dass die Simulation, anhand der Entscheidungen getroffen oder überprüft werden, möglichst viel über die Wirkung des Endprodukts verrät. Die Materialität und ihre Wechselwirkung mit den Inhalten, die sie transportiert, wird im Rahmen der Besprechungen ebenso stetig hinterfragt, wie Aspekte des Bildes oder der Typografie.
 

Daher gewöhnen sich die Studenten hier frühzeitig an z.B. mögliche Papiersorten bereits zu Beginn des Entwurfprozesses auszuwählen, zu testen und die Wirkungen der Materialität für ihre Ideen einzusetzen. Manches Mal entwickelt sich das ganze Potenzial eines gestalterischen Ansatzes sogar erst aus dem Material heraus. Die direkte Erfahrung, wie die Materialität die Wahrnehmung einer Arbeit beeinflussen und lenken kann, führt zwangsläufig zu einer großen Wertschätzung für die Möglichkeiten, die sich dem Gestalter über Papier und Druckveredelung eröffnen.

 

Aus welchem Grund empfindest du diese Herangehensweise für das Studium als wichtig und notwendig?
Ich persönlich halte die hiesige Herangehensweise für sehr gut. Von Beginn an aufzuzeigen, dass der Bildschirm so wenig über eine Arbeit aussagt, und im Prozess des Entwurfs die Materialität ganz selbstverständlich als Teil der Gestaltung zu behandeln, führt meiner Erfahrung nach zur Etablierung eines entsprechenden Bewusstseins, das es dem Studenten erlaubt, weit über das Grafik-Design hinaus zu denken. Man entwickelt eine Vorstellung, in der Material genauso ein Werkzeug der Kommunikation darstellt, wie eben Bild und Typografie. Deswegen halte ich die Vermittlung des bewussten Umgangs mit Material für ein zwingendes Element einer jeden gestalterischen Ausbildung.

 

Kannst du uns kurz von einem konkreten Projekten etwas berichten bzw. auch zeigen, worin sich dies widerspiegelt?
Im Rahmen der Vertiefung »Typografie« haben wir begleitet von unserer Dozentin Marion Fink Konzepte für ein Jahrbuch des Theater Basel entwickelt. Dabei sind wir vom bestehenden, jährlich vom Theater publizierten Format ausgegangen. Allein oder in Zweiergruppen haben wir je einen Dummy ausgearbeitet. Das Ergebnis waren 17 sehr unterschiedliche Ideen, die mit den diversen Anforderungen wie der Integration einer DVD ganz unterschiedlich umgingen.

 

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Das Konzept meiner Mitstudenten Julia Kaltenbach und Thomas Lehner beispielsweise, das kürzlich auch vom TDC ausgezeichnet wurde, überführt das Jahrbuch in eine Form, die formal an einen klassischen Romanband erinnert. Ihre Idee, das Theater »inside out« zu kehren, also einen Blick ins Innere zu gestatten, fand ihre Formulierung darin, dass der leinenbezogene Einband, der auch die DVD trägt, in der Mitte des Buches liegt. Der Buchblock ist gesplittet, was es erlaubt, sich durch die zwei Teile, Saisonvorschau und Service, sozusagen aus dem Innern nach außen zu lesen. Ein Focus Book von 80g/m2 und 2cm3/g Volumen fand hier Verwendung und unterstützt mit seiner gelblichen Färbung und der leicht porös wirkenden Oberfläche den Eindruck einer altgewohnten Form, die in irritierender Weise gebrochen wird. Weitere Infos zum Projekt.

 

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In Zusammenarbeit mit Jan Wächter  gestaltete ich einen Ansatz, der die bisherige Form der Publikation über den reinen Ausblick auf die kommende Saison hinaus erweitern sollte. Wir wollten das Jahrbuch als Schnittpunkt zwischen der vergangenen und der kommenden Saison interpretieren. Daher integrierten wir einen Rückblick auf Aufführungen, Ereignisse und Entwicklungen im Kontext des Theaters in das Buch, der sich parallel zu den gewohnten Inhalten vermitteln, aber – um Irritation zu vermeiden – dennoch klar diesen abgrenzen sollte. Dies geschah durch das Einbringen des Rückblicks über schmale eingebundene Einleger, die sich zusätzlich durch Leserichtung und Materialität abgrenzten. Eine Kombination aus Munken Print White von 115g/m2 bei 1.5-fachem Volumen und Lettura 72 bei 80g/m2 machten die Ebenen deutlich unterscheidbar. Das Umweltpapier sorgte für einen farblichen Kontrast und unterstrich den dokumentarischen Charakter des Informationsmaterials durch die Anmutung von herausgetrennten Zeitungsspalten. Weitere Infos zum Projekt.

 

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Auch in freieren Projekten, die teils über die Grenzen der Hochschule hinaus ihre Fortsetzung finden, schlägt sich die Leidenschaft für das Material natürlich nieder. Wo es die Rahmenbedingungen zulassen, kosten wir die Möglichkeiten zum Experiment aus, wie z.B. bei der noch andauernden Entwicklung des Corporate Designs für die Schweizer Kleinbrauerei LägereBräu, an der ich mit meinen Kollegen Thomas Lehner und Jacob Kadrmas derzeit arbeite. Gerade wenn in derlei Projekten der Kostenfaktor hinzukommt, merkt man, dass es nicht zwangsläufig ausgefallener Materialien bedarf, um ein Produkt erheblich aufzuwerten, sondern oft einfach eines bewussten Umgangs mit dem Gegebenen. Das Studium hat meine Perspektive in dieser Hinsicht extrem geprägt.

Vielen Dank für das Interview!